Es hat natürlich nicht erst mit der Corona-Pandemie angefangen. Aber die (richtige und wichtige) globale Zwangsisolierung zum Schutz der Schwächsten hat ironischerweise genau das torpediert, was sie fördern sollte: das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die sich umeinander kümmert. Ich jedenfalls treffe mich seit 2020 weniger mit Freund*innen, gehe weniger aus, nehme weniger am sozialen Leben da draußen teil als vorher.
Das Internet macht uns das mit der Selbstisolierung schon länger vor. Spätestens seitdem Algorithmen bestimmen, was wir schauen, hören oder spielen sollen, drängen uns Plattformen in einen radikalen Hyperinvididualismus. Dafür braucht es noch nicht mal Instagram oder Tiktok. Eine Spotify-Playlist nur für dich, eine proppevolle "Andere spielten auch das"-Liste bei Steam, dutzende "Könnte dir auch gefallen"-Inhalte auf Netflix. Das ist bequem, aber das sorgt im schlimmsten Fall auch dafür, dass wir uns nicht mehr austauschen, nicht mehr an Gemeinschaften teilhaben.
Dass das Bedürfnis nach Community weiterhin existiert, zeigt im Gaming-Kontext zum Beispiel der Friendslop-Hype. Wie schwierig es trotzdem sein kann, eine solche Community aufzubauen und zu pflegen, habe ich während meiner persönlichen Sisyphus-Arbeit am Forum zum Lost-Levels-Podcast gemerkt. Denn Menschen eine Plattform zu bieten, um sich digital oder analog zu begegnen, bedeutet Verwaltungsaufwand und kostet Kraft. Kraft, die uns der derzeitige Stand der Dinge da draußen vor dem Fenster Minute für Minute absaugt. Aber: Diese Kraft aufzubringen, lohnt sich.
Denn Communities bereichern nicht nur sich selbst, sondern auch Außenstehende. Wie genau das im Gaming-Bereich aussehen kann, zeigen wir euch in dieser Ausgabe. Weil klar, spielen kann man auch super alleine. Aber wie hieß es schon vor 40 Jahren in diesem obskuren japanischen Videospiel? "It's dangerous to go alone!"
Bevor es Videospiele gab (und ja, natürlich auch jetzt immer noch), waren da die analogen Spiele, für die man sich zwingend in einem physischen Raum treffen musste, von Go über Schafkopf bis Siedler von Catan. Dass es auch eine Bereicherung für alle Beteiligten sein kann, wenn man sich in realen Räumen zum virtuellen Zusammenspiel trifft, gerade in kleineren Orten außerhalb großstädtischer sozialer Netzwerke, erklärt Lea Irion in ihrer Reportage von den Gaming Days in Balingen.

Manche Communities dienen dem Selbstzweck, dem Austausch untereinander. Andere hingegen übernehmen Aufgaben, die eigentlich die Konzerne hinter liebgewonnenen Spielen übernehmen sollten. Wie schwierig das sein kann, zeigt der Fall von Myrient, einem Videospielarchiv, das von einer Person betrieben und letztlich von einer Gruppe Gleichgesinnten gerettet wurde. Oliver Vettermann zeichnet die Chronologie des Games-Archivs nach und ordnet die Fallstricke von Spielearchivierung ein.

Der Austausch zwischen Fans und Stars ist in vielen Mediensegmenten eine Einbahnstraße, von Autogrammstunden auf Messen einmal abgesehen. Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Community von Baldur's Gate 3. Obwohl das Rollenspiel ein Riesenhit war, bleibt der Austausch zwischen seiner Community und denjenigen, die den Charakteren im Spiel Leben einhauchen, aktiv. Wie die Gemeinschaft um das Spiel das Selbstvertrauen seiner Fans steigert und auch bei den Schauspielern hinter den Figuren Hemmungen abbaut, hat Melanie Döring für uns aufgeschrieben.

Guilty as charged: Wir bei Debuff haben keine "echte" Community im Sinne eines Ortes, an dem sich unsere Mitglieder austauschen können. Das machen viele deutsche Spielemedien anders. Wir haben bei der GameStar, Insert Moin, M10Z, Videospielgeschichten und OK Cool angeklopft und für unsere zahlenden Abonnent*innen nachgefragt, was eine gesunde Gaming-Community ausmacht.

Manchmal wird eine Community auch zum regelrechten Heilsbringer. Age of Empires 2 wäre ohne eine lebendige, bunte und vor allem positive Fangemeinde heutzutage wohl nicht noch immer so beliebt. Christina hat mit zwei Profi-Spielern und einem Entwickler eines Casting-Tools über ihre Erfahrungen mit dem Spiel und der dahinterstehenden Gemeinschaft gesprochen.

Bei all den positiven Geschichten über digitalen Zusammenhalt, sollten wir nicht vergessen, dass echte Gemeinschaft da draußen vor der Tür entsteht. Das meint zumindest Daniel in seiner Kolumne Shotguns Fired. Sein Tipp? Einfach mal wieder Gras anfassen.

Generative KI ist sowas wie der absolute Gegenentwurf zu Gemeinschaft. Wisst ihr noch, Hyperindividualismus? Wer Bilder, Texte oder neuerdings Apps nur für sich promptet, ist letzten Endes allein. Auch, wenn KI-Chatbots uns weismachen wollen, verständnisvolle Freunde und Helfer zu sein, sind sie letztlich nur Werkzeuge, die uns bei der Stange halten wollen. In einem zuerst bei unseren Freunden von GamesMarket erschienenen und von uns übersetzten Text über den Einfluss generativer KI auf die Spielebranche geht Pascal Wagner der Frage nach, was diese neue Technologie mit dem Medium Spiel macht. Und wenn ihr mehr von GamesMarket lesen wollt: Wir haben da einen Deal für euch.

Die Spieleempfehlungen der Redaktion und unserer Autor*innen sind zwar größtenteils Singleplayer-Spiele (danke Christina für den Ausreißer!), aber wer genauer hinschaut, entdeckt bei vielen auch einen Community-Aspekt. Mal sind die Gemeinschaften in der Spielwelt etwas rauhbeiniger, mal etwas abgedrehter, aber irgendwie ziehen dann doch alle an einem Strang.

Mit Community beschäftigen wir uns bei Debuff schon länger. Genauer gesagt schon so lange, dass die dazugehörigen Texte noch unter dem alten Superlevel-Banner erschienen sind. Zum Beispiel dieser aktualisierte Archiv-Text über die Menschen, die mit Fanservern alten Online-Rollenspielen wie Everquest oder Ultima Online neues Leben einhauchen – einer willigen Gemeinschaft sei Dank.

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Florian








