Eine Rückkehr zu einem seit 20 Jahren vor sich hin schlummernden Rollenspiel-Franchise, ein trotz millionenfachen Verkäufen medial wenig präsenter Early Access und eine finale Veröffentlichung inmitten multipler globaler Krisen: Eigentlich ist der nachhaltige Erfolg von Baldur‘s Gate 3 ein kleines Wunder.
Sechs Jahre nach seinem letzten Titel bringt das Rollenspiel dem Team von Larian im Veröffentlichungsjahr 2023 einen dreistelligen Millionengewinn ein. Und das, obwohl kein großer Publisher hinter dem belgischen Studio steht. Es wird Spiel des Jahres bei den Game Awards, den Steam Awards, den Game Developers Choice Awards und den DICE Awards.
Der bekannte Spielname könnte ebenso geholfen haben wie der Leumund von Larian, ein Studio, das seit jeher für komplexe Rollenspiele steht. Aber allein damit lässt sich der Erfolg des Spiels nicht begründen. Denn damit ein Spiel so langfristig im Gespräch bleibt wie Baldur‘s Gate es tut, müssen aus Käufer*innen Fans werden – und eine Community entstehen.
Andrew Wincott: "Es war ein Spiel, das aus Liebe entstanden ist."
Den Grundstein dafür hat Larian Studios selbst gelegt. Dessen Geschäftsführer Swen Vincke betont regelmäßig, wie elementar die eigene Liebe zu Games ist, um gute Spiele entwickeln zu können. Er plädiert dafür, das Spiel zu machen, das man selbst gerne spielen will, auch wenn man sich der Marktlogik nicht verwehren kann.
Bereits im Early Access hatte das Studio stets einen engen Kontakt zu den Spielenden und eine Kultur des "Gebens und Nehmens" mit ihnen etabliert, wie sich Scott Joseph, der Darsteller des Emperors, erinnert: "Die Entwicklung des Spiels war von Anfang an wirklich im Einklang mit der Community", sagt er. Joseph ist kein Unbekannter im Film- und Games-Geschäft. Im Laufe seiner Schauspielkarriere stand er sowohl auf großen Bühnen, unter anderem im Wembley-Stadion, als auch in den kleineren Sprachkabinen für seine Voiceovers von Werbespots und Videospielen. In seiner Jugend war er Warhammer-Spieler und noch heute schlägt sein Herz für Herr der Ringe. "Die Community hat Larian gesagt, was sie sich wünscht, und Larian hat sie dann wiederum nach ihrer Meinung zur Umsetzung gefragt. Und so wurde dieses Gemeinschaftsgefühl, diese Art von Geben und Nehmen, schon in einer frühen Phase aufgebaut."
Mariya Anastasova ist auf dem Soundtrack von Baldur's Gate 3 zu hören.
Auch Andrew Wincott hat diese Phase der Entwicklung von Baldur's Gate 3 ähnlich wahrgenommen. "Und das war auch für uns im Studio so, sogar vor der Veröffentlichung. Es war ein sehr kollaborativer, sehr freier, sehr kreativer Prozess", erklärt er. Wincott synchronisiert schon seit 30 Jahren große und kleine Videospiele und spielt in Baldur‘s Gate 3 den dämonischen Raphael. Er hat darüber hinaus etliche Hörbücher eingesprochen; jüngstens drei Bücher aus Miltons Paradise Lost, sowie einen Studienkommentar dazu mit Raphaels Intonation.