Wo warst du, als Myrient offline ging? Myrient ist kein nebulöser Username oder eine neue Software. Es war eines der größten – wenn nicht sogar bis dato das größte – Videospiele-Archiv im Internet. In eigenen Worten bezeichnete sich die Plattform als schnellen und verlässlichen Service für die Bewahrung von Videospielen mit über 390 Terabyte organisierten und öffentlich verfügbaren Sammlungen. Dieses seit Oktober 2022 existierende Backup bestand aus Sammlungen von Spielen für diverse Konsolen, angefangen beim Atari 7800 über die "goldene" Ära der Videospiele mit Super Nintendo Entertainment System, Sega Mega Drive und Sony Playstation bis zur Xbox 360. Die Webseite war eine zentrale Anlaufstelle, die teils verschiedene Revisionen und Betas namhafter Videospiele zur Verfügung stellte. Am 26.2.2026 kündigte die unbekannte Person hinter der Plattform an, dass die Server am 31.3.2026 abgeschaltet würden. Die Gründe: unzureichende Finanzierung, Download-Manager für Myrient mit Bezahlschranke und steigende Preise für RAM, SSD und HDD. "Kurz gesagt: Ich kann mir nicht länger leisten die Webseite zu betreiben".

Backups und Roms: Was bisher geschah
Videospiele basieren – rechtlich und technisch gesehen – auf Trägermedien. Das heißt, es handelt sich um Text, Bild, Ton und andere Medienformen, die auf einem physikalischen Medium aufgebracht sind. Das kann bei einer CD per Laser eingebrannt oder der Speicherchip in einer Gameboy-Cartridge sein. Dieser physikalische Aspekt führt aber auch zum Problem, dass Videospiele nicht ewig haltbar sind. Speicherchips können mit zunehmender Zeit schlechter Daten wiedergeben. Manchmal ist ihre Speicherfähigkeit von Kondensatoren oder Knopfbatterien abhängig, die irgendwann ausgetauscht werden müssen – so zum Beispiel bei Gameboy- und Super-Nintendo-Cartridges. CDs und DVDs zersetzen sich und verlieren je nach Lagerbedingungen früher oder später ihre Lesbarkeit. Wärme oder auch Feuchtigkeit schaden den Kontakten oder Materialien, sodass Spiele von Konsolen nicht mehr ausgelesen werden können. Deshalb sollte man auch nicht in die Gameboy-Cartridges pusten, mit dem Atem verteilt sich auch Feuchtigkeit im Cartridge und schadet dem Speicherchip. Videospiele haben also ein physisch oder chemisch bedingtes Verfallsdatum. Die Lösung für langen Spielspaß über die Haltbarkeit des Originals hinaus: die Privatkopie.