Zocken für ein kleines bisschen Anschluss

Zocken für ein kleines bisschen Anschluss

Marius, der in Wirklichkeit anders heißt, hörte irgendwann auf, die Tage zu zählen, an denen er keinen Fuß mehr vor die Tür gesetzt hatte. Seine eigentliche Welt spielte sich in seinem Zimmer ab, auf einem Bildschirm, kaum größer als ein Schuhkarton. All seine Freunde fand er dort, jeden Tag. Er konnte mit ihnen reden, konnte sie sehen, sie stundenlang treffen. Bis Marius merkte, wie einsam er war, inmitten dieses so großen Freundeskreises, in dem er lange so gut wie niemanden umarmt oder in die Augen gesehen hatte.

Videospielen haftet der Ruf an, Menschen einsam zu machen. Tatsächlich haben Studien über die Jahre immer wieder Anzeichen dafür gefunden, dass exzessives Gaming zu sozialer Isolation führen kann. Spielen Jugendliche zum Beispiel mehr als fünf Stunden am Tag, haben sie ein erhöhtes Risiko für Schlafprobleme und Symptome einer Depression. Der Griff zum Controller führt nicht automatisch dazu, dass Menschen den Bezug zum Offline-Leben verlieren. Aber sie landen in einem Teufelskreis, wenn Gaming zum Bewältigungsmechanismus wird, etwa für herausfordernde Gefühle und Situationen. Dann droht die Vernachlässigung des Alltags, Freundschaften und Beziehungen leiden mitunter. Doch genau hier kippt das Narrativ der vereinsamenden Gamer*innen.

Lea Irion

Lea Irion

Lea meistert seit 2019 den Spagat zwischen Lokal- und Videospieljournalismus. Heute arbeite Sie als freie Journalistin unter anderem für OK COOL. 2023 zählte Lea zu den „Top 30 bis 30“ der jungen Journalist:innen Deutschlands.