Digitale Communitys sind nicht genug

Digitale Communitys sind nicht genug

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"Shotguns Fired" ist eine Kolumne mit heißen Gaming-Takes, die vielleicht gar nicht so heiß sind.

Ich liebe Geschichten von Liebespaaren, die sich weder in der Kneipe noch auf Hinge, sondern in World of Warcraft kenenngelernt haben. Es treibt mir Tränen in die Augen, die Kommentare zum viel zu frühen Tod eines Minecraft-Streamers zu lesen, der zu Lebzeiten so viele Menschen berührte. Wem geht es nicht so?

Es ist ein schönes Gegennarrativ zum hartnäckigen Klischee, dass Gamer*innen einsame Kellerkinder sind. Ein Klischee, von dem jede*r Gamer*in weiß, dass es so nicht stimmt. Videospiele können mehr geben, als sie nehmen, uns näher zusammenbringen, als dass sie uns spalten.

Also, außer, wenn das Klischee in Form eines vertikalen Videoclips viral geht, in dem zwölfjährige Zockerjungs Profi-Streamerinnen ankeifen und uns daran erinnert, dass Gamergate genauso wie die Corona-Pandemie nie aufhörte, sondern endemisch wurde. Sexismus ist noch immer da, Rassismus auch, Queerfeindlichkeit sowieso, und zwölfjährige Gamer plappern nur nach, was sie anderswo vorgelebt bekommen, online wie offline. Verbale Gewalt und Diskriminierung enden nicht, wenn man Alt-F4 drückt und die toxischen Schreihälse im Voicechat von Call of Duty: Black Ops 7 ein zweites Mal abschießt.

Auf der TwitchCon 2025 wurde Streamerin Emiru von einem Mann bedrängt, wie eine absolut lieblose Google-Recherche nach sexualisierten Übergriffen auf Gaming-Events innerhalb der 2,7 Sekunden, die das ungefragte Erstellen des KI-Overviews dauert, zutage bringt. Die gibt‘s auch auf der Gamescom, direkt vor unserer Haustür. Aber um das zu sehen, müsste man die Haustür mal aufmachen.

Daniel Ziegener

Daniel Ziegener

Daniel war jahrelang freier Autor beim Spiegel, GameStar und Co. Heute ist er Redakteur bei Heise Online – und nebenbei leitender Redakteur von Debuff.
Bremen