Wie generative KI Kreative in der Spieleindustrie beeinflusst und verdrängt

Wie generative KI Kreative in der Spieleindustrie beeinflusst und verdrängt

Ob man der Meinung ist, Large-Language Models (LLM) hätten bestimmte Bereiche der Spieleentwicklung positiv revolutioniert, oder ob man sie für eine Gefahr hält, die überwunden werden muss: Fest steht, dass sie das Leben und die Arbeit von Menschen in der Gamesindustrie massiv beeinflussen.

Einige kreative Bereiche in der Industrie sehen sich besonders bedroht, weil Unternehmen in generativer KI Werkzeuge zu erkennen glauben, mit denen sich ganze Berufsfelder oder zumindest deren jüngere Erfahrungsstufen ersetzen lassen. Diese Prozesse sind von Unternehmen zu Unternehmen und Beruf zu Beruf deutlich unterschiedlich, doch sie hängen oft von der Wahrnehmung ab, die diese Berufe nach außen prägt. Zwei besonders betroffene Felder sind Lokalisierung und Synchronisierung von Spielen. Was in diesen Bereichen aktuell geschieht, wird den Berufseinstieg als auch die Arbeit von Selbstständigen auf viele Jahre beeinflussen.

Debuff x GamesMarket

Dieser Text erschien ursprünglich auf Englisch bei unseren Freund*innen von GamesMarket. You like what you read? Dann könnte dich dieser grüne Button interessieren...

20 Prozent auf's Abo bei GamesMarket

Lokalisierung: Ein Frühwarnsystem für die Gefahren der KI

Der Eingriff von generativer KI in die Arbeitsbedingungen wurde zuerst in der Lokalisierung bekannt, also der Übersetzung von Games in andere Sprachen. Bereits mit der Einführung von potenten Übersetzungsmodellen wie etwa DeepL in den 2010ern begann sich das Feld massiv zu wandeln. Schon damals war die Industrie gespalten zwischen der willigen Nutzung als effizientes Werkzeug und der Warnung, sich als Übersetzer*in nicht zur Korrekturleser*in maschinenübersetzter Standardkost zu machen.

Während solche automatisierten Übersetzungswerkzeuge sich als effizienzsteigernd bewiesen haben, konnten Skeptiker*innen in den letzten Jahren dennoch Boden für ihre Warnungen gutmachen: Kaum ein anderes Arbeitsfeld musste in den letzten Jahren so starke Honorareinbrüche hinnehmen wie das der Lokalisierung. Insbesondere Agenturen, die ihr Geld mit der schnellen Übersetzung von großen Datenmengen machen, drücken die Preise, indem sie das Konzept Lokalisierung umdeuten zum Lektorieren von automatisierten Vorübersetzungen.

Pascal Marc Wagner

Pascal Marc Wagner

Sprachwissenschaftler, Gründer von LanguageAtPlay.de und Autor diverser Game-Studies-Fachliteratur. Er arbeitet als Businessjournalist in der deutschen Gamingbranche.