Welche Spielemagazine waren eigentlich bahnbrechend und prägend für den deutschen Spielejournalismus? Da wären ASM und Power Play in den 80ern, dann die Joker-Magazine ab Anfang der 90er, später die Video Games, genauso wie ein paar der einflussreichen PC-Spielemagazine: PC Player, PC Action oder PC Games. Die Liste ließe sich leicht erweitern. Vom Boom der Spielemagazine der 90er ist heute, abgesehen von GameStar, PC Games und M!Games, nicht viel übrig geblieben, weil das Internet auch für Spielemagazine viel verändert hat. Für die Erfolgserzählung des deutschen Spielejournalismus reicht es trotzdem: von Eintagsfliegen der 80er wie TeleMatch und teleaction bis in die scheinbar Goldenen Jahre der 90er.
Jenseits der Nostalgie sind die 90er und frühen 00er allerdings auch für den Spielejournalismus eine komplizierte Zeit: Spielemagazine waren in dieser Zeit nun einmal voller sexistischer und gewaltverherrlichender Werbung. Leicht bekleidete Frauen in sexualisierten und objektifizierenden Posen standen auf vielen Covern an der Tagesordnung und trotzdem kratzen sich alteingesessene Spielejournalisten in aller Öffentlichkeit verwirrt am Kopf, wie es denn sein konnte, dass kaum Frauen ihre Magazine lasen.
Nun kann man sich darüber streiten, wie streng man mit diesen Magazinen für solche Dinge rückblickend ins Gericht gehen möchte und ob ein bisschen Nostalgie eigentlich nicht schlimm ist. Aber spannender ist etwas anderes: Denn während sich viel über den Jungsclub des deutschen Spielejournalismus sagen ließe und wie dieser Jungsclub gerade in den 90ern eher schlimmer als besser wurde, gab es schon Ende der 90er zum ersten Mal ein deutsches Spielemagazin, das in mancherlei Hinsicht aus diesem Zeitgeist rausfiel: die Bravo Screenfun.