Wie Spiele unseren moralischen Kompass spiegeln

Wie Spiele unseren moralischen Kompass spiegeln

Connor steht im CyberLife Tower, einer futuristischen Fabrikhalle voller Roboter. Vor dem Androiden erscheint auf einmal sein böser Doppelgänger, der Connors Kollegen Hank die Pistole an den Kopf hält. Er steht vor der Wahl, den zum Freund gewordenen Partner zu retten oder die Revolution voranzutreiben, die den Androiden ein besseres Leben verschaffen soll – und Hank dabei opfern. Der Puls der Spieler*in steigt, die Gedanken rasen, Optionen werden abgewogen. Dabei ist es wortwörtlich nur ein Spiel, nämlich eines der Entscheidungsszenarios aus Detroit Become Human.

Aber warum lassen wir uns von Spielen manchmal an den Rand der Verzweiflung bringen? Und entscheiden wir uns hierbei auch mal für den "bösen" Weg? Schließlich gibt es in Spielen, anders als in unserem Alltag, keine echten Konsequenzen. Spielt man einen skrupellosen Gangster in GTA, haben die kriminellen Taten im Spiel keine direkten Auswirkungen auf die eigene reale Welt. Trotzdem haben manche unserer Entscheidungen in Spielen Gewicht. Manche sind wiederholbar, andere sind permanent und beeinflussen den Ausgang der Storyline erheblich. Das wirft Spieler*innen in ein künstliches Dilemma.

"Entscheidungsspiele geben eine Spielumgebung ohne echte reale Konsequenzen", sagt der Sozialpsychologe Dr. Moritz Fedeneder von der LMU München. Sie schaffen so einen Raum, um die eigenen Grenzen auszutesten – wie "im Jugendalter, um eine Orientierung zu bekommen, wie viel ich mir erlauben darf, ohne bestraft zu werden oder Ärger zu bekommen." Das könne "im Umkehrschluss das eigene moralische Bewusstsein schärfen."

Amelie Wilfer

Amelie Wilfer

Amelie kommt aus der Filmbranche, hat aber schon immer eine große Leidenschaft für Games. Besonders Spiele mit narrativen Fokus und Horrorelementen haben es ihr angetan.